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Dr. phil. Olaf Kappelt: tel. 030 – 450 238 74
mobil 0175 – 950 74 36
| Fax 450 241 67
Die Presse

Touristenführer Olaf Kappelt zeigt, als Friedrich II. verkleidet, Touristen die Stadt Berlin.

Berliner Zeitung vom 14.1.2012, Ressort Magazin:

Stdtführung:
Im Sommer schwitzen Majestät
Mit etwas Glück trifft man den König in Berlin Unter den Linden. Für ein paar Taler zeigt er Besuchern sein Reich. Wie aus dem Soziologen Olaf Kappelt der Alte Fritz wurde.

von Thomas Leinkauf

Der Alte Fritz

Olaf Kappelt hat dieser Tage einen vollen Kalender. Der Alte Fritz hat einen runden Geburtstag, da drängen sich die Termine, denn Kappelt ist seit zehn Jahren einen großen Teil seines Lebens der Alte Fritz.
Anfang der Woche steht Kappelt am Brandenburger Tor, Besuch aus der Provinz hat sich angesagt, aus Quedlinburg und aus Hameln, aus Passau und Frankfurt am Main. Sie wollen sich bei einem Spaziergang Unter den Linden anschauen, wo der König einst gelebt hat. Kappelt trägt Uniformrock mit dem preußischen Adlerorden auf der Brust, Lederstiefel bis über die Knie, Perücke mit langem Zopf, Dreispitz, Stock und Degen.

In voller Montur in die Bahn

Er hat sich in seiner Wohnung in Reinickendorf wie immer zu solchen Gelegenheiten die "Hohenzollersche Nase" angeschminkt, Make up auf das Gesicht gelegt und dann hat er sich, Majestät nutzen öffentliche Verkehrsmittel, in voller Montur in die Bahn gesetzt und ist zur Arbeit nach Mitte gefahren.
Kappelt ist in Alt Döbbern in der Nähe von Senftenberg geboren worden. Sein Großvater war aus Schlesien in die Lausitz gekommen, die Mutter aus Berlin. Schon früh hatte der Vater dem Sohn historische Geschichten erzählt, in denen auch der König Friedrich eine Rolle spielte. Als Olaf Kappelt drei Jahre alt war, ging die Familie in den Westen, nach Nordrhein-Westfalen, nur der Opa blieb da. Seine Briefe wurden abends bei Tisch verlesen, so blieb der Kontakt zur Heimat erhalten. Kappelt sagt, er sei immer stolz gewesen, Brandenburger zu sein.
Die Idee mit den Stadtspaziergängen kam ihm vor 12 Jahren, da war er 46. Er hatte gerade eine Doktorarbeit über den Einfluss ehemaliger Nationalsozialisten in der DDR verteidigt, aber so richtig ging es beruflich nicht weiter. Er besorgte sich Bücher über den König, im Kostümfundus in Babelsberg lieh er eine königliche Uniform, Stiefel und Säbel, der Chef der Maske verpasste ihm die Hakennase, wie sie Friedrich im Gesicht hatte, und brachte ihm das Schminken bei.

Reich wird ein König wie er nicht

Kappelt machte 2002 seine erste Stadtführung vor den Mitarbeitern der Berlin-Touristik, am Ende klatschten sie Beifall. So wurde aus Dr. Olaf Kappelt der Alte Fritz.
Anfangs war es ein zähes Geschäft, aber inzwischen wird er regelmäßig gebucht, manchmal dreimal am Tag, das Volk will seinen König und zahlt dafür. Kappelt reicht es zum Leben, aber reich wie ein König wird er nicht. Die Uniform muss regelmäßig erneuert werden, auch wenn es Majestät gerne ein wenig schäbig mag, die ausgetretenen Stiefel brauchen neue Sohlen, eine neue Perücke muss her und alle paar Tage eine neue Nase. Und die Kosten steigen! Majestät treten zu Geburtstagen auf, bei Betriebsjubiläen, halten Festreden. Selbst ein König darf in diesen Zeiten nicht wählerisch sein.
Meist aber zieht er, "Madame! Monsieur!", mit fremden Leuten über den Boulevard, dem der König einst zu hauptstädtischer Pracht verhalf. Besonders anstrengend ist es im Sommer, da kommt er in seinem dicken Tuch schnell ins Schwitzen und es hilft nur noch preußische Disziplin.

Vorhero, dahiero, nunmehro

Am Brandenburger Tor geht es an diesem Tag wie immer los, dort, wo die Stadt zu Friedrichs Zeiten anfing und sein Vater damals noch Grundstücke verschenkte. Kappelt ist ganz der alte König, er posiert, sagt vorhero, dahiero und nunmehro, hebt die Stimme, wenn er die Untertanen schilt. Zügig läuft er Richtung Schlossplatz, wo Majestät geboren wurden. An jeder Ecke hat er was zu erzählen, schließlich verbrachte Friedrich Unter den Linden sein halbes Leben.
"lieber Kammerdiener Fredersdorf", dort seine "liebe Schwester Amalie". Hier war die Vertretung der Russen, deren Zarin Katharina die Große seine Briefpartnerin war, dort steht das Opernhaus, das er schon zwei Jahre nach Amtsantritt 1742 eröffnete und an dem die berühmte Tänzerin Barberina Campenini gastierte. Das Volk sagte Majestät eine Affäre mit ihr nach, aber er mochte nur ihre schönen Beine, sagt Olaf Kappelt.

Hinter der Oper dann die Hedwigskathedrale, die der König den Katholiken als Zeichen religiöser Toleranz schenkte, "viele Wege führen ins Himmelreich". Die Form der Kuppel erfand er höchstpersönlich; er drehte einfach eine seiner Kakaotassen um. Im Kronprinzenpalais wohnte Friedrich als junger Mann, die heutige Humboldt-Universität ließ er selbst bauen, als sein Berliner Schloss, aber als es fertig war, verlor er das Interesse.
Anderthalb Stunden geht die Tour, am Ende trinkt Olaf Kappelt mit seinen Gästen unter der Kuppel des Reichstags noch ein Glas Sekt.

Kirschen zum Dessert

Majestät aßen und tranken ja immer gerne und viel. Zu seinen Lieblingsspeisen gehörten Polenta, Sardellensalat mit Oliven und Kapern, Ochsenzunge mit Braunschweiger Wurst, Lachs, Aal, Fischpasteten, Rindfleisch in jeder Variation, geräuchertes Geflügel. Und als Dessert nahm er am liebsten Kirschen. Ein Augenzeuge schrieb: "Wenn der Küchenzettel, welcher Ihm des Abends für den Mittag des folgenden Tages gebracht wurde, Speisen enthielt, die er vorzüglich gerne aß, Er ihn nicht nur am folgenden Morgen und Vormittag mehrmals und mit Vergnügen ansah, sondern auch die Mittagsstunde kaum erwarten konnte."
Und Voltaire schwärmte von den Runden mit dem König: "Violinen, geistvolle Gastmähler, Geselligkeit und Freiheit! Wer soll es glauben? Und doch ist alles reine Wahrheit!"
Heute finden Friedrichs Tafelrunden im Drachenhaus statt, einer Pagode im chinesischen Stil, die der König einst für seinen Winzer bauen ließ und die jetzt ein Restaurant ist. Kappelt gibt auch hier den Alten Fritz, denn mit seinen Essgewohnheiten kennt er sich besonders gut aus. Vor ein paar Jahren hat Kappelt im Geheimen Preußischen Staatsarchiv die Aufzeichnungen der königlichen Küchenschreiber entdeckt, handgeschriebene Speisepläne, die der König noch selbst in den Händen hielt und die sich bis heute erhalten haben.
"Mich hat das eine Gänsehaut kriegen lassen", erzählt Kappelt, wochenlang habe er im Archiv gesessen. Am Ende hatte er von den alten Blättern eine Stauballergie, aber auch das Material für ein Buch über Friedrichs Koch- und Küchengeheimnisse.

Igelfrisur statt Perücke

Kappelt ist an diesem Tag ganz in Zivil nach Sanssouci gekommen, das muss auch mal sein. Statt Uniform trägt er Anzug und Winterjacke, statt Perücke eine Igelfrisur. Er hat seine Frau Alla mitgebracht, eine zierliche junge Weißrussin, die er vor ein paar Jahren im Internet kennenlernte. Er reiste zu ihr, und nach einer Zeit hartnäckiger Belagerung willigte sie in die Hochzeit ein. Inzwischen haben sie eine kleine Tochter, die Kappelt im Kinderwagen über die holprigen Parkwege schiebt. Dabei erzählt er unentwegt Geschichten vom König, und manchmal fällt er in die Ich-Form, so, als könne er die Rolle seines Lebens auch in Zivil kaum abstreifen.
Im Drachenhaus isst Kappelt diesmal nur eine Kleinigkeit, Wildwürstchen mit Sauerkraut, "das mochte auch der König". Kappelt hat zurzeit ein paar Kilo Übergewicht, "weil abends wieder warm gegessen wird, seit Alla da ist". Nach den Feierlichkeiten wird abgespeckt. Aber vorher gibt es am Geburtstagstag noch eine Tafelrunde.

Der unglückliche König

An königsfreien Tagen schreibt Kappelt an Friedrichs Berliner und Potsdamer Kalendern, die er als Bücher herausgibt und in denen er akribisch notiert, was der König wann gemacht hat. Am 14. Januar 1752, heute vor genau 260 Jahren, saß er zum Beispiel im Berliner Stadtschloss und schrieb seiner lieben Schwester Wilhelmine einen sehr traurigen Brief:

"Ich wünschte, der Karneval wäre vorüber, und ich wälze in meinem Kopfe die Frage: wie rette ich mich nur nach Potsdam, wo ich mehr mir selber angehöre und wo ich trübsinnig sein darf, ohne daß einer etwas daran auszusetzen findet?" Ein guter Freund war gerade gestorben. "Glücklich, glaube ich, kann hienieden nur der sein, der niemanden liebt", notierte der unglückliche König.

Anfang der Woche steht Kappelt dann wieder als König am Brandenburger Tor, vier Stunden, lässt sich fotografieren, verteilt Prospekte, erklärt jungen Franzosen, Engländern, Russen, wer er ist. Majestät sprechen englisch und wahren die Contenance, als einer der Jungs ihn für Napoleon hält. Der war im Oktober 1806 durch das Brandenburger Tor in die Stadt einmarschiert. Der Alte Fritz war da leider schon tot. Glück für Napoleon. An Friedrichs Grab sagte er damals: "Wenn er noch gelebt hätte, wäre ich nicht hier." Kappelt zitiert den Satz bei jeder Stadtführung voller Stolz.

>> zum Artikel bei der Berliner Zeitung >>

Dr. phil. Olaf Kappelt: tel. 030 – 450 238 74, mobil 0175 – 950 74 36, Fax 450 241 67
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